Anekdoten

Wolfgang war immer gut für eine gute Geschichte. Wenn Ihr eine Geschichte über Wolfgang erzählen wollt, dann ist hier der richtige Platz dafür. Danke für Eure Beiträge!


Erzählt uns Eure Geschichten mit Wolfgang

Kommentare: 3
  • #3

    Martin Seyer (Montag, 26 November 2018 16:04)

    Ich erinnere mich an noch eine Geschichte mit Wolfgang: Im Zuge der Drucklegung meiner Diss (in Archäologie) vor vielen Jahren traf ich mich mit ihm (natürlich, wo sonst?) im Heiner in der Wollzeile. Ich wollte seine Meinung zu einer Deutung mehrerer lateinischer und griechischer Textstellen, in der vom Kampf gegen Löwen die Rede ist, da Löwenjagd und Löwenkampf m. M. nach metaphorisch für den Kampf zwischen zwei Königen verwendet werden konnten. Im Besonderen ging es mir um die Bedeutung des Terminus "stiertötender Löwe" in der Inschrift eines monumentalen Weihegeschenks in Delphi, in dem die Erlegung dieses Tiers für mich keine simple Löwenjagd, sondern nichts weniger als die Entscheidungsschlacht des makedonischen Heers unter Alexander dem Großen gegen den persischen Großkönig Dareios III. 331 v. Chr. in Gaugamela bezeichnet. Wolfgang teilte meine Meinung nicht und wir begannen zu diskutieren. Jeder brachte seine Argumente vor, bis ihm seine Einwände ausgingen und er einfach sagte: "Stur wie in der Schule!" um danach lächelnd hinzuzufügen: "Aber Du hast ein schönes Studium gewählt..." Danach redeten wir noch lange über die Schule, Archäologie und alles mögliche - es war mein letztes Treffen mit ihm.
    Meine Textinterpretation hat sich in der Wissenschaft in der Zwischenzeit im Großen und Ganzen durchgesetzt, lediglich - Ironie des Schicksals - mein Doktorvater, ebenfalls einer meiner wichtigsten Lehrer, glaubt immer noch an eine Löwenjagd in einem Tierpark in Syrien...

  • #2

    Martin Seyer (Montag, 26 November 2018 13:09)

    Ich kann mich noch genau an eine Begebenheit im Rahmen der "Antigone-Aufführungen" 1980 erinnern. Die Generalprobe in Innsbruck, der ersten unserer beiden Stationen der Tournee, war tatsächlich grottenschlecht. Wolfgang war dementsprechend sauer auf das gesamte Ensemble und ließ seiner Stimmung freien Lauf - er konnte ja doch "etwas" poltern, wenn er unzufrieden oder gar zornig war :-). Auf jeden Fall fielen Worte wie "dann fahren wir lieber gleich heim" und "ich muss mir so etwas mit Euch nicht antun", und das alles ZIEMLICH laut... Wir schlichen etwas beschämt davon; wie wir den Rest des Abends verbracht haben, weiß ich nicht mehr genau. Am nächsten Morgen war Wolfgang immer noch nicht gut auf uns zu sprechen, was wir ihm allerdings mit einer GROSSARTIGEN Vorstellung am Abend "heimzahlten". Wie Wolfgang so war, fiel er von einem Extrem ins andere und herzte vor allem die Damen überschwänglich; für uns Jungs hatte er immerhin dickes Lob übrig. Wie das Lokal hieß, in dem wir feierten, weiß ich nicht mehr, und auch nicht die Uhrzeit, zu der wir ins Hotel zurückkamen...

  • #1

    Nicky (Mittwoch, 14 November 2018 10:01)

    Als Wolfgang schon schwer krank war, ist er immer noch gerne mit meiner Frau Antje und mir Essen gegangen. Obwohl er selbst nicht mehr mitessen konnte, war es ihm doch ein großes Vergnügen, einen kulinarischen und bacchantischen Abend mit uns zu teilen. Wie oft sagte er dann: "Zeus kann alles. Er kann geben und uns alles nehmen, aber diesen Abend, diesen Abend kann selbst Zeus uns nicht mehr wegnehmen!"